Geschichte des Kiwo

Geschichte des Kiwo –
seit 150 Jahren Antworten auf die Fragen der Zeit

Die St. Josephs- und Gertrudis-Stiftung – ein Zusammenschluss zweier Dülmener Stiftungen – feierte 2007 sein 150-jähriges Jubiläum. Schon immer war es Anliegen dieser Stiftung Kindern in schwierigen Lebenslagen zu unterstützen und angemessene Antworten auf die Nöte der Zeit zu finden. Dies klang in der 1. Satzung der Stiftung 1857 so:

Zweck der Stiftung ist es sechs Kinder „zuvörderst Mädchen, die verwaist oder verwahrlost aus Stadt oder Kirchspiel Dülmen stammen” zu verpflegen und zu erziehen. Diese Aufgabe soll eine „barmherzige Schwester im Beistand einer Magd” übernehmen.

Die Not war groß und so stieg die Zahl der sogenannten Waisenkinder schnell (1891 waren es 22).

Durch Geldschenkungen und Grundstücksspenden wurde die Existenz der Einrichtung gesichert, denn Pflegesätze oder eine Sozialgesetzgebung wie wir sie heute kennen gab es noch nicht.

Das Grundstück an der Lüdinghauser Straße befand sich vor den Toren der Stadt. Diese veränderte sich zunehmend durch die Ausdehnung des Stadtgebietes.

Nach dem 2. Weltkrieg bestand nicht mehr alleine die Notwendigkeit Waisenkinder zu betreuen, sondern auch bei sog. Sozialwaisen vorhandene Erziehungsdefizite pädagogisch aufzuarbeiten.

Das Selbstverständnis der Einrichtung veränderte sich. Die Betreuungsdichte wurde erhöht. Durch erhebliche Erweiterungs- und Renovierungsmaßnahmen entstand bis 1960 ein großes Gebäude in dem vier Gruppen in denen jeweils bis zu 14 Kinder familienähnlich wohnten und eine Gruppe für Kleinkinder (1 bis 3 Jahre). Diese Gruppen verfügten über eigene Schlafzimmer, Wohnzimmer und sanitäre Anlagen. Da es sich um Zimmer und nicht wie bisher um Säle handelte, war es für die damalige Zeit eine moderne Konzeption.

Die 4 Gruppenhäuser auf dem Gelände der Einrichtung entstanden bereits 15 Jahre später. Auch hier fanden die fachlichen Erkenntnisse der Zeit ihren Niederschlag in der damaligen Architektenausschreibung heißt es:
„Neuere Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass das Aufwachsen der Kinder in überschaubaren, familienähnlichen Gruppen von circa 8 bis 12 Personen für die individuelle Entfaltung Erfolg versprechender ist als das Leben in großen Gruppen. Dieser Erkenntnis ist in baulicher Hinsicht Rechnung zu tragen. Die Kinder sollen, altersmäßig gemischt, in vier Gruppen von je zehn ein neues Zuhause beziehen.”

Die Eröffnung der ersten Außenwohngruppe im Jahre 1981 war der Startschuss für eine Ausdehnung und Dezentralisierung der Einrichtung. In den nachfolgenden Jahren fand eine Entwicklung statt, die der St. Josephs- und Gertrudis-Stiftung ihr heutiges Gesicht geben.

Das Grundverständnis ist nicht mehr die Familie zu ersetzen, sondern diese zu ergänzen. Immer mit dem Ziel das Kind und den Jugendlichen im Kontext seiner Familie bestmöglich zu erziehen und zu fördern. Die Lebensformen und die Lebensläufe von Familien haben sich in den letzten 30 Jahren gravierend verändert. Die St. Josephs- und Gertrudis-Stiftung trägt dieser Entwicklung mit einem differenzierten und vielschichtigem Angebot Rechnung. Es wird eine breite Palette an Angeboten für Kinder, Jugendliche, junge Erwachseneund Familien bereit gehalten. Diese reicht von vollstationären über teilstationären Angeboten hin bis zu ambulanten Diensten.

Einen ausführlichen Einblick in die Geschichte unserer Einrichtung finden Sie in der Festschrift zur 150-Jahr-Feier.